Posts tagged erlebtes

»Dieser Ort wird nie Zuhause sein.«

Erlebnisberichte besaßen hier bisher eher Seltenheitswert. Und Casper mag ich immer noch nicht. Zum gestrigen Sachsenpokalspiel zwischen dem Roten Stern Leipzig und der SG Leipzig Leutzsch - der kleinen hässlichen Stiefschwester der BSG Chemie Leipzig - gibt es jedoch einiges zu sagen.

Mein erstes Spiel im Alfred-Kunze-Sportpark in Leutzsch im Gästeblock zu erleben, war eigentlich nicht der Plan. Wie das mit Plänen so ist, kann jeder bei Brecht nachlesen oder aus der eigenen Erfahrung ableiten: In der Regel gehen die nicht auf. Dabei sah es anfangs - ungeachtet der virtuellen Stimmungsmache im Voraus - nach einem versöhnlich stimmenden Fußballnachmittag aus. Zufall? Schicksal? Orientierungslosigkeit? Egal! Jedenfalls stand ich 10 Minuten vor Anpfiff in Begleitung auf der grün und weiß bestuhlten Tribüne und nicht im Gästeblock, wo es sich die zahlreich erschienenen Fans des Roten Sterns aus Connewitz im Schatten bequem gemacht hatten. Das Wetter war bombig und Bier hatte man - zumindest im Gehege der Heimmannschaft - innerhalb von 5 Minuten organisiert. Die Anhänger der SGLL verteilten sich locker über das gesamte Rund und kurz nach Spielbeginn wurde auf dem Norddamm folgende Tapete präsentiert:

Ob alt oder jung; ob Glatze oder Iro; ob schwarz oder weiß: Jeder ist willkommen!

Nun war da unter den Anhängern der SGLL weder ein junger noch ein alter Schwarzer mit Irokesenschnitt zu entdecken; an dem Statement gibt es jedoch nichts zu meckern. Leider sorgten die anwesenden Freunde des Leutzscher Fußballs in den folgenden anderthalb Stunden dafür, dass man ihnen das ganze wohl so bald nicht mehr abnehmen wird. Genügte es anfangs noch die Spieler des Roten Sterns als Fotzen und Spastiker zu bezeichnen, erging bald die explizite Forderung an die eigene Mannschaft: Macht die Kommunistenschweine platt! Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich hier lediglich Einzelpersonen ihr Mütchen kühlten, denen man ihre Drohungen nach erfolgter verbaler Intervention (So primitiv wie effektiv: Ihr seid so lächerlich!) einfach nicht abnehmen wollte. Vielleicht bin ich da ein wenig hochmütig aber meine Fantasie reicht nicht aus um mir vorzustellen, dass mir ein Vokuhila-tragender Familienvater aus dem Dreiländereck Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen tatsächlich de Brille aus’m Gesicht ballern könnte.

Je näher die Halbzeitpause rückte, desto ungemütlicher wurde es. Auf dem Platz schoss die SGLL ein Tor nach dem anderen (Halbzeitstand 4:0) und auf den Rängen spielten ihre Anhänger enthusiastisch Niveau-Limbo. Irgendwann fassten sich dann einige Idioten ein Herz und intonierten deutlich hörbar den zweitdämlichsten Leutzscher Schlachtruf - Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher! - und gaben damit die Richtung für Halbzeit 2 vor. Nun wird dieser Spruch gern mal damit gerechtfertigt, dass er zu Ostzeiten eine staatskritische Haltung zum Ausdruck bringen sollte; unabhängig davon ob man dies gelten lässt, ist es allerdings schon bezeichnend, wenn der Sprechchor auf einmal aus der Ultrà-orientierten Ecke (RaZZia, Curva Passion) der Anhängerschaft zu vernehmen ist, die vornehmlich einer Alterskohorte angehört, deren Leidensweg im Realsozialismus nicht etwa in einer Stasi-Akte sondern vielleicht gerade noch so im Impfausweis dokumentiert ist. Nicht zu vergessen, dass das Ultrà-Häuflein eben noch auf Tapete proklamierte:

Fußball ist Fußball!
Politik ist Politik!

Wie die Bejahung von Politik im Stadion zu Ostzeiten und die Ablehnung von Politik im Stadion heute unter einen Hut kommen, wird ihr Geheimnis bleiben. Vermutlich fallen ihnen solche Inkonsistenzen noch nicht einmal auf.

Nachdem die alten Säcke schließlich sichtlich genervt abzogen, bekamen wir bald Gesellschaft von einigen Jungschen (laut Pulloveraufdruck wohl aus Weißenfels), die zwar böse guckten und tuschelten, sich aber angesichts der ebenfalls im Block anwesenden Bullerei nicht trauten tatsächlich was zu machen. Sicher wäre dahingehend noch irgendwas passiert, hätten wir uns nicht wenig später dazu entschlossen freiwillig zu gehen; der vielbeschworene Tropfen, der das Fass schließlich zum Überlaufen brachte war folgender Gesang, den ich dann doch nicht erwartet hätte:

Wenn das der Führer wüsst, was Chemie Leipzig ist,
dann wär er nur in Leutzsch, denn Leutzsch ist deutsch!

Den Rest des Spiels, das mit 10:0 zuende ging, verbrachten wir folglich im Gästeblock, wo sich schließlich auch etliche Chemiker einfanden, die offenbar vom Spiel der Stadtklassemannschaft gegen die SG Leipzig Bienitz kamen. Schön schattig und von ungleich sympathischeren Menschen umgeben, störten hier nur die ewig lange Schlange zum Bierstand und die fortwährenden Dümmlichkeiten des SGLL-Anhangs. Irgendwann ging noch ein Böller hoch; an der Pufferzone erhitzten sich die Gemüter; die Cops dazwischen; Nazis und Hools reißen die Fresse auf und die Arme hoch. Trauriger Höhepunkt: Roter Stern? Jude! Jude! Jude! Für die Connewitzer ist das nichts Neues; die kennen das zur Genüge von ihren Auswärtsspielen in Nazikäffern wie Brandis oder Mügeln. Mich jedenfalls hat es ein wenig überrascht, dass in Leutzsch so ein Muldental-Feeling aufkommen konnte.

Natürlich hat man jetzt von Vereinsseite nichts ungewöhnliches gehört und natürlich sind solche Nazisprüche nur als Ironie und Provokation zu verstehen. Die Politik bringen schließlich nur die politisch überkorrekten Gäste ins Spiel. Von mir aus. Die gestrigen Geschehnisse haben jedoch die einzige Existenzberechtigung der SGLL überdeutlich werden lassen: Sie dient als Auffangbecken für den widerlichsten Teil der ehemaligen FC Sachsen-Fanszene. Sie ist das mit Eigenurin aufgefüllte, grün-weiße Planschbecken, in dem sich jeder, der mag mit ekligen Naziquallen wie Thomas Gerlach und Leutzscher Kameraden aus Sachsen-Anhalt und Thüringen über die Kommunisten vom Roten Stern, die Verräter von der BallSG oder generell über Politik im Stadion auskotzen kann. Die Existenz dieser Jauchegrube ist ärgerlich - sie erscheint aber als notwendiges Übel: Wer bei der SGLL planscht, stinkt nicht bei der BSG. Ein Zusammengehen beider Vereine ist - sofern es denn überhaupt realisierbar wäre - nicht sonderlich wünschenswert. Das nicht wenige Chemiker im Gästeblock standen und den Alleinvertretungsanspruch der Betriebssportgemeinschaft teilweise vehement unterstrichen - Du bist doch kein Leutzscher! Du bist doch aus Grünau! - ist hingegen begrüßenswert.

Der Nachmittag ging trotz allem versöhnlich zu Ende: Mit einem kalten Bier in der Hand und bis zum Knie im lauwarmen Wasser des Auensees stehend, war der Stress bald vergessen. Dem Gegenstand angemessen schließe ich parolenhaft verkürzt:

Nie wieder SGLL! Nur die BSG!
Spaltung? Find ich super!

Monday, September 5, 2011 — 3 notes
Ey, ey Chris! Nichts Böses ahnend, ein wenig ausgelaugt vom Konzert und angeheitert von der danach besuchten Einzugsparty, staunte ich in den frühen Sonntagmorgenstunden nicht schlecht, als ich plötzlich vor der Heimstätte der Dresden-Ischen stand. Youtube-IRL-Schock vom Feinsten!

Ey, ey Chris! Nichts Böses ahnend, ein wenig ausgelaugt vom Konzert und angeheitert von der danach besuchten Einzugsparty, staunte ich in den frühen Sonntagmorgenstunden nicht schlecht, als ich plötzlich vor der Heimstätte der Dresden-Ischen stand. Youtube-IRL-Schock vom Feinsten!

Scheiß Wessis!

Einige Mitglieder des "Makss Damage Fanclub Südwestdeutschland" sind scheinbar so enttäuscht über den - wohl nur für sie - überraschenden Vereinswechsel ihres Lieblingsrappers, dass sie ihrem eh schon schlechten Ruf in letzter Zeit mal wieder alle Ehre machen. Nachdem in München antideutsche Provokationen am Rande der Siko-Proteste mit Handgreiflichkeiten beantwortet wurden, die sich schließlich zu einer zünftigen Schlägerei auswuchsen, waren die schwäbischen Antiimperialisten wohl auch in Dresden in Krawalllaune. Statt sich allerdings, wie andere - auch nicht unbedingt sympathische - Gruppen, an Nazis und Bullen abzuarbeiten, vergriffen sich die Lumpen an den Devotionalien der "Freunde der visionären Stadtumgestaltungsmaßnahmen durch Arthur Travers Harris e.V.". Die recht verschämte Nestelei konnte schließlich unterbunden werden. Zwei Indymedia-Kommentare lassen jedoch vermuten, dass die Völkerfreunde aus dem "Magdeburg des Westens" mit dem Einbrechen der Dunkelheit eine rabiatere Vorgehensweise wählten.

Kommentar 1:

ACHTUNG!

Antifa 19.02.2011 - 18:05 

Achtung, Vorsicht bei der Blockade am Hauptbahnhof! Ein badenwürtenberger Querfront-Gang (ca. 15 Leute macht Jagd auf Gegendemonstrant_innen mit Fahnen der Alliierten. Ein Antifaschist wurde bereits ins Krankenhaus geprügelt

Kommentar 2:

Tarngruppe

19.02.2011 - 18:26  Eine Sportgruppe der Neonazis (ca. 15) hält sich im Bahnhofsgebiet auf und versucht einzelne Demonstranten abzugreifen. Die Gruppe trägt mindestens 2 rote Fahnen!

Wetten, dass es sich nicht um zwei verschiedene Gruppen sondern um ein und denselben Haufen marodierender Antiimps handelt? So weit so schlecht: Neben Nazis, prügelnden Bullen, opfernden Bürgern und Blockadehippies hat man nun in Dresden nun auch noch den Abschaum der deutschen Linken an der Backe.

"Früher hätt’s das nicht gegeben!"

Sunday, February 20, 2011 — 2 notes

»Ich harre der Dinge, die da kommen mögen …«

(Vorgestern im RE von Nürnberg nach Dresden.) Die Dinge, die da kamen: Polizeilich abgeriegelter Hauptbahnhof (Dynamo Dresden vs. Hansa Rostock), unverhofftes Zusammentreffen mit der Krawallfraktion. Später: Gealterte Dorfpunks, Knarren, Messerstechereien unter Brüdern, Hunde, Natur. Tags darauf: Rap vom Erzschurken DOOM.

Was kommt nach einem schönen Wochenende? Richtig: Ein Montag mit aufgeschobenem Uni-Kram, Wohnungsabsagen und permanenter Mattheit.

Monday, October 25, 2010 — 2 notes
Herbst kann ja auch hin und wieder ganz schön sein. Dieser Himmelblau-Goldgelb-Kontrast, den das obige Foto leider nur ungenügend wiedergibt, entschädigt fast für Aufwachen auf der Couch, Zugstress, biertrinkende und schlagersingende Nervensägen im Zug und: Der Tag ist ja noch jung. Wer weiß schon was noch passiert? Ich harre der Dinge, die da kommen mögen und nehme noch einen Schluck aus meiner, mit Leitungswasser aufgefüllten, Wodkaflasche. “Die Dehydrierung ist der größte Feind des Trinkers!”

Herbst kann ja auch hin und wieder ganz schön sein. Dieser Himmelblau-Goldgelb-Kontrast, den das obige Foto leider nur ungenügend wiedergibt, entschädigt fast für Aufwachen auf der Couch, Zugstress, biertrinkende und schlagersingende Nervensägen im Zug und: Der Tag ist ja noch jung. Wer weiß schon was noch passiert? Ich harre der Dinge, die da kommen mögen und nehme noch einen Schluck aus meiner, mit Leitungswasser aufgefüllten, Wodkaflasche. “Die Dehydrierung ist der größte Feind des Trinkers!”

Schnappschuss von der Odermannstraße 8 in Leipzig Lindenau, die im Zuge der Aktionen am Samstag über mehrere Stunden blockiert wurde, sodass die anwesenden 100-130 Nazis nicht zu ihren Kameraden stoßen konnten, die andernorts durch die Gegend stolperten.
Der “nationale Großaufmarsch” wurde jedoch nicht von den zahlreichen Antifas sondern vielmehr von Judikative (u.a. OVG Bautzen) und Exekutive (21 Hundertschaften Bereitschaftspolizei aus verschiedenen Bundesländern) verhindert. Zufrieden stimmt das nicht.

Schnappschuss von der Odermannstraße 8 in Leipzig Lindenau, die im Zuge der Aktionen am Samstag über mehrere Stunden blockiert wurde, sodass die anwesenden 100-130 Nazis nicht zu ihren Kameraden stoßen konnten, die andernorts durch die Gegend stolperten.

Der “nationale Großaufmarsch” wurde jedoch nicht von den zahlreichen Antifas sondern vielmehr von Judikative (u.a. OVG Bautzen) und Exekutive (21 Hundertschaften Bereitschaftspolizei aus verschiedenen Bundesländern) verhindert. Zufrieden stimmt das nicht.

Zur Kurzurlaubsimpression Nr. 2

Zu dem weiter unten abgebildeten Werk von Egon Schiele seien an dieser Stelle noch eine kurze Anmerkung sowie eine kleine Anekdote erlaubt. Zum einen ist die digitale Repräsentation des Bildes eine ziemliche Enttäuschung: Zwar ist die Auflösung ganz ordentlich, sodass auch einige Details zu erkennen sind. Allerdings ist die Farbwirkung in keinster Weise mit der des Originals vergleichbar. Die Areolae um die Brustwarzen, die Geschlechtsteile sowie das dem Betrachter zugewandte Augenlid und der Bauchnabel sind tatsächlich in einem leuchtenden Rot hervorgehoben. Das geht leider am Bildschirm zu großen Teilen verloren. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit my ass! Ein Besuch im Leopold Museum lohnt sich also unbedingt.

Unter Umständen kommt man dabei sogar in den zweifelhaften Genuss einer teilnehmenden Beobachtung museumspädagogischer Praxis. So stürmte mit einem Mal eine quiekende, circa 20-köpfige Rasselbande im Vor- und Grundschulalter in den Raum, in dem das besagte Werk ausgestellt ist. Meinerseits hatte bereits eine ausgiebige Kontemplation stattgefunden und ich war im Gehen begriffen, ließ mich jedoch, neu- und wissbegierig wie ich nun einmal bin, zum Bleiben verleiten. Die Pädagogin hatte Mühe ihre Schützlinge im Zaum zu halten, was angesichts der Blöße des Abgebildeten und des Alters der Kinder sicher nachvollziehbar ist. In einem sich mäeutisch gerierenden Frage-Antwort-Spiel versuchte die gute Frau nun die Belustigung in Begeisterung zu wandeln:

"Kann er uns sehen?" - "NEIN!" - "Können wir ihn sehen?" - "JA!" - "Also sind wir ihm gegenüber im Vorteil. Er kann uns nicht sehen, aber wir können ihn sehen. Da brauchen wir ihn nicht auslachen."

So weit so fragwürdig. Die Museumspädagogin wollte allerdings mehr:

"Und schaut mal er hat die Arme ganz komisch verdreht. Dominique, du hast mir vorhin schon gesagt das sieht aus wie eine Jacke. Was für eine Jacke?"

Als sie bereits anhob um bestätigend "Eine Zwangsjacke" zu wiederholen, fiel ihr offenbar auf, dass ein Großteil der Kinder etwas ganz und gar anderes durch den Raum geplärrt hatte: Bench! Nachdem sie kurz irritiert dreingeblickt, sich jedoch schnell wieder gesammelt hatte, fuhr sie im Programm fort als sei nichts gewesen. Eine Diskussion über Künstler in Zwangsjacken war anscheinend nicht mehr zu erwarten. Kurze Zeit später zog die Gruppe junger Kunstfreunde weiter und auch ich widmete mich weiter der Sammlung Leopold.

Dass ebendiese Gegenstand einer erbitterten Debatte um NS-Raubkunst ist, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Mehr dazu unter anderem hier.

Friday, October 1, 2010 — 2 notes
"At home he feels like a tourist…"
Mal wieder. Geburtstag und “Junggesellenabschied” standen auf dem Programm. Deutschland abfeiernde Mitbewohner und ein leerer Kühlschrank erleichterten die Entscheidung frühzeitig - heißt schon Mitte der Woche - loszufahren ungemein.
So wurde schließlich konsequent die “Idiotie des Landlebens” genossen. Inklusive Erdbeeren pflücken und Dreck schippen. Der deutschen Nationalmannschaft konnte man in der Abgeschiedenheit ganz entspannt beim Verlieren zuschauen und Essen gab es auch zur Genüge.
Am Wochenende ließ sich dann der Besuch eines weithin bekannten Stadtteilfestes nicht vermeiden. Am frühen Freitagabend gab es noch mal Extremismusforschung aus der Nähe zu betrachten: Ein Vortrag am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Vorgestellt wurde eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen NPD-Wahlergebnissen und rechtsextremen Gewalttaten untersuchen sollte. Die Datenbasis bestand nahezu ausschließlich aus Polizei- und Prozessakten, was recht gut zu der Tatsache passte, dass der Auftraggeber für die Studie das BKA war. Die wenig überraschende Quintessenz wurde dann in einem unglaublich hässlichen Flussdiagramm auf den Punkt gebracht: NPD-Erfolg führt zu Medienberichterstattung führt zu linker Gewalt führt zu rechter Gegengewalt.
Alle Dummheiten, die da verzapft wurden, sollen hier nicht aufgeführt werden. Es lässt allerdings schon tief blicken, dass dem Referenten, mit Kritik konfrontiert, lediglich einfiel auf Christian Pfeiffer zu verweisen, gepaart mit dem Hinweis, dass dieser noch viel, viel unwissenschaftlicher arbeiten würde (sinngemäß). Erfrischend war dann noch im Anschluss eine recht umfangreiche Kritik an der Studie, vorgebracht von einer jungen Frau, deren Stimme mir irgendwie bekannt vorkam. Dem Referenten blieb nicht viel mehr übrig, als das Gesagte zu relativieren und darauf hinzuweisen, dass es halt keine besseren Daten gäbe, als die verwendeten Polizeiakten.
Anschließend und tags darauf, wie gesagt Besuch des Stadt- und Volksfestes. Im Zuge dessen entstand auch das obige Bild. Bis auf ein recht amüsantes Zusammentreffen mit Bohemians Praha-Anhängern dann auch eher das Übliche. Auf dem Heimweg wurde wenigstens noch mal etwas für die Flaggen-Statistik getan. Mittwoch könnte der schwarz-rot-goldene Taumel vorbei sein. Daumendrücken für Dejan, Kevin-Prince und ihre jeweiligen Mannschaften!

"At home he feels like a tourist…"

Mal wieder. Geburtstag und “Junggesellenabschied” standen auf dem Programm. Deutschland abfeiernde Mitbewohner und ein leerer Kühlschrank erleichterten die Entscheidung frühzeitig - heißt schon Mitte der Woche - loszufahren ungemein.

So wurde schließlich konsequent die “Idiotie des Landlebens” genossen. Inklusive Erdbeeren pflücken und Dreck schippen. Der deutschen Nationalmannschaft konnte man in der Abgeschiedenheit ganz entspannt beim Verlieren zuschauen und Essen gab es auch zur Genüge.

Am Wochenende ließ sich dann der Besuch eines weithin bekannten Stadtteilfestes nicht vermeiden. Am frühen Freitagabend gab es noch mal Extremismusforschung aus der Nähe zu betrachten: Ein Vortrag am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Vorgestellt wurde eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen NPD-Wahlergebnissen und rechtsextremen Gewalttaten untersuchen sollte. Die Datenbasis bestand nahezu ausschließlich aus Polizei- und Prozessakten, was recht gut zu der Tatsache passte, dass der Auftraggeber für die Studie das BKA war. Die wenig überraschende Quintessenz wurde dann in einem unglaublich hässlichen Flussdiagramm auf den Punkt gebracht: NPD-Erfolg führt zu Medienberichterstattung führt zu linker Gewalt führt zu rechter Gegengewalt.

Alle Dummheiten, die da verzapft wurden, sollen hier nicht aufgeführt werden. Es lässt allerdings schon tief blicken, dass dem Referenten, mit Kritik konfrontiert, lediglich einfiel auf Christian Pfeiffer zu verweisen, gepaart mit dem Hinweis, dass dieser noch viel, viel unwissenschaftlicher arbeiten würde (sinngemäß). Erfrischend war dann noch im Anschluss eine recht umfangreiche Kritik an der Studie, vorgebracht von einer jungen Frau, deren Stimme mir irgendwie bekannt vorkam. Dem Referenten blieb nicht viel mehr übrig, als das Gesagte zu relativieren und darauf hinzuweisen, dass es halt keine besseren Daten gäbe, als die verwendeten Polizeiakten.

Anschließend und tags darauf, wie gesagt Besuch des Stadt- und Volksfestes. Im Zuge dessen entstand auch das obige Bild. Bis auf ein recht amüsantes Zusammentreffen mit Bohemians Praha-Anhängern dann auch eher das Übliche. Auf dem Heimweg wurde wenigstens noch mal etwas für die Flaggen-Statistik getan. Mittwoch könnte der schwarz-rot-goldene Taumel vorbei sein. Daumendrücken für Dejan, Kevin-Prince und ihre jeweiligen Mannschaften!

"Im Zweifel für den Zweifel"

Damit wäre die Erwartungshaltung für den Freitagabend wohl recht treffend umschrieben. Die Karten waren zeitig gekauft - sogar noch vor Erscheinen von “Schall & Wahn" - und die Zeit zum Grübeln und Sorgen entsprechend lang. Nach anfänglicher Skepsis gefiel der neueste Streich von Tocotronic immer besser. Eine - als Konzert getarnte - Live-Version des Albums wäre mehr als O.K. gewesen.

Tatsächlich wurden denn auch nahezu alle Lieder des aktuellen Albums, bis auf die bereits erwähnte Hymne auf den Zweifel, den “Gesang des Tyrannen” und die opulente Ballade “Das Blut an meinen Händen” gespielt. Überraschend war hingegen die wahre Fülle an jüngeren und älteren Klassikern.

Fast schon enttäuscht, dass “Die Folter endet nie” schon als drittes Lied gespielt wurde, war die Begeisterung über “Die Grenzen des guten Geschmacks”, “Drüben auf dem Hügel” oder “Imitationen” schließlich groß. “Aber hier leben, nein danke” wurde erfreulicherweise mit einer kompromisslosen Absage an Deutschland und seine Freunde begonnen und als Arne Zank von Rick McPhail am Schlagzeug ersetzt wurde um “Ich werde nie mehr alleine sein” und “Bitte gebt mir meinen Verstand zurück” zu intonieren, war die angestrebte kritische Distanz vollkommen dahin.

Das Publikum war - wie jede größere Menschenansammlung - recht unsympathisch, schaffte es aber immerhin sich zwei Zugaben zu erklatschen. “Mein Ruin” und “Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit” endeten jeweils in schön wüstem, noisigen Wechselspiel von Zank und von Lowtzow. Zum Abschluss wurde noch die Internationale aus der Konserve abgespielt und das Publikum trat den Heimweg an.

Genervt haben die Securities von “Ihre Wache" und andere Unsympathen. Trotzdem ein schöner Abend, der bei Rotwein und Kurzfilmen ("Oh how Cliché!") einen angemessenen Ausklang fand. Danke dafür!

Saturday, April 17, 2010

"Let the Nazis take good note of the western horizon."

Heute war Bombenstimmung in Chemnitz angesagt. Die Nazis aus der Umgebung wollten mal wieder ihrer Vorliebe für Rotz und Wasser frönen. Die örtliche Antifa war angetreten eine weitergehende Kritik zu formulieren. So weit, so gut. 16 Uhr sollte die Demo unter dem wenig geilen Motto "Das Tränenmeer austrocknen!" vom Bahnhofsvorplatz starten. 18 Uhr die Nazis in die entgegengesetzte Richtung.

Unsereins entschied sich aufgrund der strengen Vorkontrollen und der Kälte auf eigene Faust loszuziehen. Nach dem üblichen Rumgechecke und kurzen Sprinteinlagen war man dann mal wieder da, wo man nicht sein sollte aber wollte und konnte in aller Ruhe Nazis beim Wasserlassen in öffentlichen Grünanlagen verhöhnen (“Hier uriniert der nationale Widerstand!”) bis die Staatsmacht doch mal skeptisch wurde. Diese sortierten mit offenkundiger Menschenkenntnis unsere illustre “Bezugsgruppe” in die Kategorie “Teilnehmer Veranstaltung rechts” ein und konnten nur durch vehementes Protestieren davon abgebracht werden uns in Richtung Trauermarsch zu eskortieren.

Es sollte aber noch schlimmer kommen: Als “Teilnehmer Veranstaltung links” identifiziert, wurde man schließlich in eine Ansammlung Chemnitzer Bürger/Rentner geschoben. Hier kannte die Peinlichkeit keine Grenzen: Volksliedersingsang wechselte sich mit “Nazis raus!”-Chören ab. Keine Frage: Hier stand die Volksgemeinschaft gegen rechts par excellence und so ließen sich auch wieder jede Menge Widerwärtigkeiten beobachten. Exemplarisch dafür eine kurze Begebenheit aus dem Gedächtnis:

Ein älterer Herr (Mitte/Ende 60), thronend auf einer Betonpflanzschale links der Ansammlung, hatte schon mehrfach Demonstranten und Unbeteiligte, die sich beschwerten von der Polizei nicht durchgelassen zu werden mit den Worten “Es müssen sich nun mal alle an die Regeln halten.” bedacht. Kurze Zeit später wandte er sich mit zackigem Tonfall an die Massen unter ihm: “Im Umkreis von 500m kein Nazi zu sehen.” Offenbar war der Mann irgendwo an der innerdeutschen Grenze (Gute Deutsche vs. Schlechte Deutsche) hängengeblieben und sah in der Pflanzschale seinen antifaschistischen Schutzwall. Von den Anwesenden guten Deutschen erntete er jedenfalls Beifall. Ein genervtes “Immer diese alten Grenzer!” konnte ihn indes nicht aus der Ruhe bringen. Seine Reaktion: “Ja ja. Gelernt ist gelernt!”

Fazit: Die Antifa-Demo wurde wohl den ganzen Nachmittag/Abend vor dem Hbf. aufgehalten. Die Nazis konnten weitgehend ungestört laufen (ca. 500 Teilnehmer). Die Cops wurden kaum gestresst. Die Eingeborenen sind sowieso scheiße.

Aufgeschnappter Spruch (Antifa zu einem vermeintlichen Nazi): “Deine Oma hat auch gut gebrannt!”

Friday, March 5, 2010 — 2 notes